Die letzten Tage waren zu eindruecklich, um euch den richtigen Eindruck zu vermitteln. Deshalb nur 15 Minuten davon…
Ich war in Kompong Chhnang - ein grosses Kaff in der Naehe des grossen Suesswassersees Tonle Sap. Im Dorf gibts keine grossartigen, touristische Sehenswuerdigkeiten und so verirren sich nicht viele Touris hierher. Ich hatte das Glueck auf dem Bus - wo ich die einzige ‘Farang” (Touristin) war, neben dem Direktor des Landmines Disability Support Centers auf dem Sitz eingequetscht zu sein. Er hat mir dann ermoeglicht, dass ich mit einem seiner Betreuer auf dessen Motorbike (und diesmal auch ganz ohne Mundschutz…)
einige der aermeren Familien von Kambodscha besuchen durfte. Das Center betreut behinderte Personen und deren Familien auf dem Land und unterstuetzt sie mit Wissen und Startkapital, wenn diese ein ‘Business’ starten wollen. Ein neues Business auf dem Land, heisst Huehnerzucht, verbesserte Reisproduktion, sie sponsern einfachste Maschinen, z.B. einen Brennofen fuer eine Toepferei, bauen eine Wasserpumpe, zeigen den Leuten, wie man ein Velo repariert, so dass das Dorf in Kuerze auch seinen eigenen Mechaniker haben wird… einfachste Geschaefte halt. Und so habe ich unter anderem eine Bambus-Fabrik besucht. Fabrik wird euch einen vollkommen falschen Eindruck vermitteln. Denn es waren vier Stelzen, mit einem Bananenblaetterdach. Darunter 2 grosse Brennoefen, tischaehnlich und darauf ca. 1cm dicke Bambusstoecke, und darum je 10 Personen, die jeweils einen solchen Stock nehmen, in ein kleines, erwaermtes Raedchen einspannen und so durch pressen eines Hebels diesen Bambusstab strecken. Dieser wird spaeter dann in 1m oder 1.20m … lange Stuecke geschnitten, nach Phnom Penh gefahren und von dort in die Welt verschifft. Und genau diese Stoecke kaufen wir, um im Fruehling unsere Pflanzen daran aufzubinden. Hat sich jemals jemand von euch ueberlegt, dass diese praktischen Staebchen original nicht so gerade sind? Ich bin mir sicher, ihr werdet das naechste Mal an diese Geschichte denken…
Ein Arbeiter verdient 15 Riel pro gestreckten Stab, pro Tag schafft er ca. 100. Um euch einen Eindruck zu geben, 4000 Riel sind 1 US Dollar.
Was ich aber auf keinen Fall moechte, ist, dass ihr jetzt denkt, oooooohhhh, was fuer arme Leute! Ja sie sind arm und sie verdienen nichts. Aber diese Leute strahlen eine solche Grazie, einen solchen Stolz aus. Sie zeigten mir mit grosser Freude ihre jeweiligen Businesses, denn kaum ein ‘Farang’ kommt jemals hier vorbei. Die Aufbruchstimmung in Kambodscha ist foermlich spuehrbar und irgendwie fuehle ich mich geehrt, dies erleben zu duerfen.
Ich merke gerade, dass ich doch 30 Minuten aus meinen letzten Tagen berichten muss…
Ein Farmer hat mich mit groesstem Stolz auf seine Farm, irgendwo in der Pampa gefuehrt, eine Dreiviertelstunde staubigste Strasse vom naechsten Staedtchen entfernt. Als ich auf der Farm ankam, habe ich genau das Bild erwartet, was euch wohl auch vor dem inneren Auge erscheint - eine Farm halt. Stand da aber lediglich ein lottriger Bretterverschlag mit 2 Haengematten. Drumrum 100 Orangenbaeumchen. Er ist der erste in der Gegend, der Orangen anpflanzt, ein Pionier. Ich solle doch in 3 Jahren wiederkommen, dann haette er mind. 3000 Orangenbaeumchen und ein richtiges Haus… Das Land ist im Aufbau! Haette jemand von uns einem Fremden mit Stolz im Gesicht seinen Bretterverschlag gezeigt? Mich beschleicht das Gefuehl, dass wir uns schaemen wuerden, irgendjemandem ein Stueckchen Nichts zu zeigen… Ich jedenfalls haette niemandem auch nur im Traum von meinem noch groesstenteils unkultivierten Stueckchen Land erzaehlt und schon gar nicht gezeigt.
Und das macht Kambodscha fuer mich so unglaublich schoen und ich kann sehr viel von diesen oftmals armen Leuten, die so unendlich reich im Herzen sind, lernen.

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